Jagd

Eine der menschlichen Betätigungen, bei der mitunter die meisten nichtmenschlichen Tiere getötet werden, ist die Jagd. Obwohl es keine Statistiken gibt, wie viele nichtmenschliche Tiere von Jäger*innen getötet werden, wissen wir, dass allein in den USA mehr als 13 Millionen Menschen, die 16 Jahre und älter sind, als Jäger*innen registriert sind.1 Wenn wir annehmen, dass jede(r) von ihnen ein nichtmenschliches Tier pro Jahr tötet, dann würde die Anzahl der getöteten Wesen sich bereits im zweistelligen Millionenbereich bewegen. Da aber anzunehmen ist, dass ein(e) Jäger(in) mehrere Individuen im Jahr tötet, wird die tatsächliche Anzahl der Opfer der Jagd im Bereich Hunderter Millionen liegen, wenn nicht sogar im Milliardenbereich.2

Manche kritisieren das Jagen deshalb, weil dabei weltweit jedes Jahr Hunderte Menschen zu Tode oder zu Schaden kommen. Manchmal werden dabei Jäger*innen selbst verletzt oder getötet, teils sind auch Passant*innen betroffen. Wenn wir Speziesismus zurückweisen bzw. einfach die Interessen nichtmenschlicher Tiere miteinbeziehen, ist es nicht notwendig, auf derartige Kritikpunkte zurückzugreifen. Es reicht, darauf hinzuweisen, dass nichtmenschliche Tiere durch die Jagd auf diverse Arten geschädigt werden.

Wenn wir die Interessen nichtmenschlicher Tiere miteinbeziehen, wird aus ethischer Sicht klar, dass die menschliche Jagd abzulehnen ist. Daran können auch Argumente, die von Jäger*innen angeführt werden, wenn diese versuchen, ihre Praktiken zu rechtfertigen, nichts ändern. Derartige Argumente sind z.B., dass auch wild lebende nichtmenschliche Tiere Menschen töten (bzw. getötet haben), oder, dass sie – die Jäger – aus Naturschutzgründen jagen, oder, dass es akzeptabel sei, zu jagen, solang die getöteten nichtmenschlichen Tiere anschließend verzehrt werden. Manchmal führen sie als Argument auch an, dass ihr Jagen dadurch gerechtfertigt wäre, weil es ihnen Spaß macht. Nichtmenschliche Tiere, die der Jagd zum Opfer fallen, erleiden Angst und Schmerzen, und werden schließlich um ihr Leben gebracht. Wenn man die Ungerechtigkeit, die Speziesismus darstellt, erkannt hat, und die Interessen nichtmenschlicher Tiere miteinbezieht, wird klar, dass die Freude, die manche Menschen am Jagen empfinden, nicht das nichtmenschlichen Tieren dadurch verursachte Leid rechtfertigen kann.

 

Verschiedene Jagdmethoden

Verschiedenste nichtmenschliche Tiere werden von Menschen gejagt. Bei der sogenannten „Großwildjagd“ töten Jäger*innen alle möglichen größeren nichtmenschlichen Tiere. Zu den Opfern der Großwildjagd zählen Elefanten, Bären, Nashörner, und Löwen. Bei der „Trophäenjagd“ werden auch kleinere Vögel und Säugetiere gejagt. Heutzutage wird tendenziell mit Schusswaffen gejagt. In manchen Ländern wird traditionell auch mit Hunden gejagt, die die betroffenen nichtmenschlichen Tiere nicht nur aufspüren und verfolgen, sondern auch töten. Außerdem wird teilweise auch mit Pfeil und Bogen oder sogar mit Speeren auf die Jagd gegangen.

Jäger*innen gehen entweder in der Nähe ihres Wohnortes auf die Jagd oder reisen in Gebiete, in denen sich diverse andere nichtmenschliche Tiere aufhalten. Teilweise jagen Jäger*innen auch auf Privatgründen und bezahlen die Grundbesitzer*innen dafür. Teilweise werden nichtmenschliche Tiere in Gehegen gehalten, und dort auch gejagt. Diese Form der Jagd wird „Gatterjagd“ genannt. Nichtmenschliche Tiere, die dann in Jagdgattern gejagt werden, werden teilweise von spezialisierten Händlern gekauft; in vielen Fällen werden sie auch Zirkussen abgekauft, wenn die betroffenen nichtmenschlichen Tiere zu alt für ihre Auftritte geworden sind, oder für diese aus anderen Gründen nicht mehr benutzt werden können. Teilweise werden sie auch von Zoos oder anderen Tiershows gekauft. Diese Lebewesen, die oft zahm und an Menschen gewöhnt sind, können sehr einfach getötet werden.

Auch auf Safaris wird gejagt. Die Jagdgäste lassen sich diese Trips einiges kosten. Derartige Jagdsafaris dauern teilweise mehrere Tage, an denen die Jagdgäste von professionellen Jäger*innen, Wildnis-Guides, und Gepäckträger*innen begleitet werden. Die nichtmenschlichen Tiere, die dabei gejagt werden, sind meist Vertreter*innen seltener exotischer Spezies.

Im Jahre 2005 kam eine Kontroverse auf, als eine internetbasierte Firma ein Angebot eines Online-Jagd-Services machte, bei dem Kund*innen nichtmenschliche Tiere mithilfe von Webcams und ferngesteuerten Waffen töten können. Trotz umfassender Kritik ist diese Form der Jagd, die „Internetjagd“, in gewissen Gebieten legal.3

Gewisse Formen der Jagd werden als „traditionell“ angesehen, obwohl sie nicht zeitgemäß sind, weil in den Gesellschaften, in denen sie vorherrschen, schon seit langer Zeit so gejagt wird. (Ein Beispiel einer solchen traditionellen Jagdmethode ist das bei dem nordamerikanischen Indianerstamm der Makah übliche Jagen von Walen mit Motorbooten und Schusswaffen). Egal ob nichtmenschliche Tiere nun mit traditionellen oder moderneren Jagdmethoden gejagt werden – jede Form bedeutet Leid und Tod für sie.

Während einige Formen der Jagd illegal stattfinden, sind viele andere legal. Jene, die illegal jagen, werden „Wilderer/-innen“ genannt. Ihre Motive sind Spaß oder wirtschaftliche Gründe. In manchen Ländern töten Wilderer/-innen circa gleich viele nichtmenschliche Tiere wie Jäger*innen. Wilderer/-innen werden von Jäger*innen oft belächelt. Für das gejagte nichtmenschliche Tier macht es keinen Unterschied, ob die Jagd nun legal ist oder nicht. Wenn wir die Interessen nichtmenschlicher Tiere vollständig berücksichtigen, sollten wir alle Formen des Tötens, egal, ob legal oder illegal, ablehnen. Egal, ob legale oder illegale Jagd, beide verursachen dieselbe Schädigung; beide sind somit ethisch gleich einzustufen..

 

Naturschutz und Jagd

Teils versuchen Jäger*innen ihr Jagen mit dem Verweis darauf, dass andere Tiere einander auch andere jagen, zu rechtfertigen. Dagegen kann eingewendet werden, dass nichtmenschliche Prädatoren ihre Handlungen nicht reflektieren können, während Menschen das können. Der Hauptpunkt ist, dass – obwohl es stimmt, dass es in der Wildnis natürlicherweise viel Leid gibt – wir dieses nicht vermehren, sondern im Gegenteil wenn möglich dezimieren sollten. Die Tatsache, dass nichtmenschliche Tiere ohnehin schon auf verschiedenste Weisen geschädigt werden, ist weder Grund noch Rechtfertigung dafür, noch mehr Schaden anzurichten. Ganz im Gegenteil sollten wir versuchen, nichtmenschlichen Tieren zu helfen.

Manchmal wird auch argumentiert, dass Jagen notwendig sei, um Tierpopulationen in der Wildnis zu regulieren. Diese Behauptung basiert auf der Annahme, dass nichtmenschliche Tiere nur als „Bestände“ oder Teile der Umwelt relevant wären.4 Sie wurzelt in einem Naturschutzansatz, der davon ausgeht, dass die Erhaltung von Ökosystemen wichtiger sei als empfindsame Individuen. Hierbei wird nicht beachtet, dass empfindsame Individuen – im Gegensatz zu Ökosystemen – leiden können. Ein derartiger Umweltschutzansatz wird vom WWF, dem „Sierra Club“, der „National Wildlife Federation“, der „National Audubon Society“, der „Wilderness Society“, dem „Wildlife Legislative Fund of America“, der „North American Wildlife Foundation“, und vielen anderen Naturschutzorganisationen vertreten. Darüber hinaus lehnen viele Naturschutzorganisationen gewisse Formen der Jagd ab, während sie andere verteidigen, weil sie sie als „traditionell“ ansehen oder denken, dass diese notwendig wären, um gewisse Population von nichtmenschlichen Tieren „kontrollieren“ zu können. Beispiele solcher Organisationen sind z.B. Greenpeace, sowie die politische Partei der Grünen in diversen Ländern.

Derartige Ansichten sind zweifelsohne speziesistisch, da sie parteiisch für Menschen und gegen nichtmenschliche Tiere sind. Bei menschlichen Populationen würde man auch nicht auf die Idee kommen, dass es doch ethisch gut wäre, diese gewalttätig zu dezimieren, um das Ökosystem zu schützen. Ökosysteme sind nicht empfindungsfähig; sie können keine Schmerzen empfinden und sind nur insofern von wichtig, indem sie das Leben von empfindungsfähigen Wesen besser oder schlechter machen. Nichtmenschliche Tiere sind solche empfindungsfähigen Wesen. Ethisch gesehen sollte nichtmenschlichen Tieren gegenüber Ökosystemen der Vortritt gewährt werden, genauso wie er Menschen gewährt wird. Aus diesen Gründen ist die Jagd aus Umweltschutzgründen kein legitimer Grund für die Tötung nichtmenschlicher Tiere.

Aufgrund der Tatsache, wie Populationsdynamik funktioniert, erscheint das Töten von nichtmenschlichen Tieren, um die Größe von Populationen zu regulieren, problematisch, wenn nicht sogar paradox. Anhand den Interaktionen von Prädatoren und Beutetieren (die in den Lotka-Volterra-Gleichungen erörtert wurden5) wird klar, dass eine derartige Reduktion lediglich temporär sein kann, da die Population der Beutetiere rapide anwächst, sobald Prädation reduziert wird oder wegfällt (vorausgesetzt, dass es grundsätzlich ausreichend Ressourcen gibt). Das bedeutet, dass eine Reduktion der Population durch derartige Maßnahmen niemals wirklich von Dauer ist. Der einzige Weg, um sicherzustellen, dass sich eine Population nicht wieder zur Ausgangsgröße erholt, wäre, die Population derartig zu dezimieren, dass sie untergeht. Den Jäger*innen ist diese Sachlage bewusst, und dementsprechend behaupten sie, dass regelmäßig gejagt werden müsste, so wie man „regelmäßig den Rasen mähen muss“. Teilweise fördern gewisse Umweltschutzagenturen die Züchtung von gewissen nichtmenschlichen Tieren unter dem Deckmantel eines „Wildtiermanagements“ und kassieren dann von Jäger*innen Gebühren, die dafür bezahlen, diese Wesen zu töten.

Teilweise werden nichtmenschliche Tiere ausdrücklich deshalb in neue Umgebungen eingeführt, um diese dort zu bejagen. Nichtmenschliche Tiere, die in für sie neue Umgebungen gebracht werden, übertragen oft gewisse Krankheiten an die dort ansässigen nichtmenschlichen Tiere. Nichtmenschliche Tiere aus anderen Habitaten bringen Krankheiten und Immunitäten gegen diese mit, die die nichtmenschlichen Tiere vor Ort nicht haben. Ein Beispiel dafür ist die „Chronic Wasting Disease“ (CWD; deutsch wörtlich „Chronische Auszehrungskrankheit“) in Nordamerika, eine ernsthafte neurologische Erkrankung, die sich auf Rehe, Hirsche, und Elche übertrug, als in Gefangenschaft geborene Artgenoss*innen in andere Territorien überführt wurden. Einerseits können sich durch derartige Eingriffe neue Krankheiten sowohl unter alten als auch unter neuen Populationen ausbreiten, andererseits können die neu eingeführten Populationen später als „invasive Eindringlinge“ gezielt bejagt und ausgerottet werden.

Manche nichtmenschlichen Tiere (wie z.B. Nagetiere, Füchse, und Wildschweine) werden als vermeintliche „Schädlinge“ bejagt und getötet. Wer dabei als „Schädling“ gilt, ist eine subjektive Entscheidung. Oft werden gewisse nichtmenschliche Tiere als solche bezeichnet, weil ihre (vitalen) Interessen mit (eher trivialen) menschlichen Interessen kollidieren.6

 

Wie nichtmenschliche Tiere durch die Jagd geschädigt werden

Nichtmenschliche Tiere, die von Jägern getötet werden, werden um ihr Leben gebracht, und somit um jede Möglichkeit, in Zukunft Freude zu empfinden. Zusätzlich dazu, dass sie ihr Leben verlieren, leiden sie während der Jagd an Angst und Stress. Jene, die überleben, bleiben oft verletzt zurück. Wenn die Opfer Eltern von an sie angewiesenem Nachwuchs sind, bleiben ihre Kinder hilflos zurück und sind zu einem langsamen Tod durch Verhungern verdammt.

 

Das Leid nichtmenschlicher Tiere während der Jagd

Nichtmenschliche Tiere, die gejagt werden (wie z.B. Hirsche und Rehe), erleiden extremen Stress und sind dabei dazu gezwungen, mit Umständen fertig zu werden, die ihre Leistungs- und Belastungsgrenzen überschreiten. Wenn sie gehetzt werden, laufen sie bis zur Erschöpfung.7 Sie flüchten verängstigt, und ihre Furcht steigert sich nur weiter, wenn sie bemerken, dass sie nicht entkommen können. Sie leiden psychisch, bis sie schließlich getötet werden.

Todesangst ist etwas Schreckliches. Dies ist uns unmittelbar durch unseren Menschenverstand klar. Wir brauchen uns aber nicht auf überlieferte Weisheiten oder unsere Intuition verlassen; es liegen uns hier auch wissenschaftliche Erkenntnisse vor. Wissenschaftler*innen haben Stressindikatoren identifiziert, und diese dazu verwendet, um Stress bei in der Wildnis lebenden Huftieren zu untersuchen.

Ein solcher Indikator ist das Level von Stresshormonen wie z.B. Cortisol.8 Gejagte nichtmenschliche Tiere weisen Cortisolspiegel auf, die auf großen physischen und psychischen Stress schließen lassen. In einer Studie wurden so hohe Cortisolspiegel wie nie zuvor gemessen (auch nicht nach hoher physischer Belastung). Es wäre sehr schwierig, zu erklären, wodurch so hohe Spiegel entstehen, wenn wir nicht annehmen, dass sie durch ein hohes Maß an psychischem Stress bedingt sind.9 Andere Stressindikatoren sind Muskelschäden, Schäden an den roten Blutzellen, und geringe Glykogen-Spiegel (Glykogen wird in Glukose umgewandelt, die wiederum gebraucht wird, um Muskeln mit Energie zu versorgen).10

Es existiert ein wissenschaftlicher Konsens darüber, dass Rehe und Hirsche in der letzten Phase der Jagd wahrscheinlich erheblich leiden, weil sie hier an ihre physischen Grenzen gebracht werden und ihre Muskeln schließlich versagen. Auch die hohe Körpertemperatur, die mit den ungewöhnlichen Belastungen einhergehen, passt zu konsistent hohen Stressleveln bei der Jagd, da Hirsche und Rehe nicht darauf ausgelegt sind, so lange derartige physische Belastungen auszuhalten, sondern eher auf kurze Sprints.11

Diese Beobachtungen untermauern, dass die betroffenen Hirsche und Rehe sowohl psychischen als auch physischen Stress erleben. Während einer Jagd können sie es sich nicht aussuchen, ob sie weiterlaufen oder nicht. Sie sind gezwungen, bis über ihre Leistungsgrenzen hinaus zu laufen, bis sie aufgeben müssen. Sie werden von Todesangst und der Angst, gefangen zu werden, getrieben. Ähnlich ergeht es anderen nichtmenschlichen Tieren wie z.B. Elchen und anderen Pflanzenfressern, die von Jäger*innen gehetzt werden.

Auch kleinere nichtmenschliche Tiere leiden ähnlich, wenn sie gejagt werden. Selbst Karnivore können bei Jagden extrem gestresst werden. Gefangene Füchse zeigen z.B. deutlich erhöhte Stressreaktionen, die sich, wenn sich Menschen in ihrer Nähe befinden, noch weiter steigern.12

Viele Jäger*innen (inklusive jener, die Füchse jagen) sagen über sich, dass sie Hundeliebhaber*innen seien. Dies ist paradox, sind Füchse Hunden genetisch doch recht ähnlich. Es ist anzunehmen, dass die Vertreter*innen beider Spezies über eine ähnliche Fähigkeit, Schmerzen und Leid zu empfinden, verfügen.

Auch Füchse werden bis zur Erschöpfung gehetzt, und werden oft einige Male verwundet, bevor sie sterben. Bis zu 48% der Schüsse aus Gewehren und bis zu 60% der Schüsse aus Schrotflinten verletzen das getroffene nichtmenschliche Tier lediglich, ohne sie/ihn zu töten. Selbst erfahrene Schützen geben oft Schüsse ab, die nicht treffgenau sind.13

Darüber hinaus leiden Füchse erheblich, wenn sie mit Hunden gejagt werden. Obwohl diese Jagdmethode in Großbritannien verboten ist, wird sie dort trotzdem praktiziert. In andern Ländern ist sie nicht verboten.

Wenn ein Fuchs von einem Hund verfolgt wird, versucht dieser oft, sich durch eine Flucht in den Untergrund zu retten. Wenn das geschieht, wird eventuell ein Terrier in den Fuchsbau hinabgeschickt, um den Fuchs zu stellen, während die Jäger*innen diesen ausgraben. Der Fuchs erlebt in dieser Situation ohne Fluchtmöglichkeit großen, sich steigernden psychischen Stress.14

Während die Füchse im Fuchsbau derartig gefangen sind, brechen oft auch Kämpfe zwischen den Füchsen und den Hunden aus. Füchse, die durch Hunde zu Tode gebissen werden, erleiden dabei durch multiple Hundebisse schwere Verletzungen.15 Dieses Hunde-auf-Füchse-Hetzen hat sich zu einer eigenständigen „Sportart“ (so wie z.B. Hundekämpfe) entwickelt. Es liegt auf der Hand, dass es nicht wirklich konsistent ist, Hundekämpfe abzulehnen, aber die Jagd auf Füchse mit Hunden nicht.

Das Leiden der gejagten nichtmenschlichen Tiere beschränkt sich natürlich nicht auf Fuchse. Auch andere Prädatoren, wie z.B. Nerze, können erheblich leiden, wenn sie bejagt werden.16

Kleinere nichtmenschliche Tiere (wie z.B. Hasen und Kaninchen) werden weltweit gejagt. In manchen Ländern existieren traditionelle Methoden, wie diese gejagt werden. In englischsprachigen Ländern gibt es zwei Arten der „Hasenhetze“: einerseits die „informelle“ oder „aufsuchende“ Hetze, andererseits die „formelle“, „organisierte“ Hetze. Bei der aufsuchenden Hetze werden die Hunde auf die Hasen angesetzt, die vor ihnen auftauchen. Bei der organisierten Hetze wird in einer Jagdarena gejagt.

Obwohl der Tod des gejagten Hasen nicht das primäre Ziel der Hasenhetze ist, gehört er trotzdem zu dieser Betätigung dazu. Die gejagten Hasen können durch diese Jagdmethode Verletzungen im Brust-, Genick-, oder Bauchbereich erleiden, an denen sie eventuell langsam versterben. Der sogenannte „Picker Up“ einer Hasenhetz-Gesellschaft hat die Aufgabe, den verletzten Hasen das Genick zu brechen.

Die Verletzungen, die sich die Hasen bei derlei Jagden zuziehen, rangieren von gebrochenen Rippen und Gliedmaßen über offenen Bauchwunden bis zu inneren Blutungen diverser Organe. In einer Studie wurde festgestellt, dass weniger als die Hälfte (43%) der verletzten Hasen erst durch die Hände des Menschen gestorben sind, der die verletzten Individuen fing und ihnen dann das Genick brach. Circa 50% der in dieser Studie erfassten Hasen starben entweder an den Verletzungen, die sie während der Hetze erlitten haben, oder nachdem sie von den Jäger*innen gefasst wurden. Nur ein Hase wurde definitiv von den Jagdhunden erlegt.17

Es gibt verschiedene Angaben darüber, wie viele von den gehetzten Hasen bei den Hasenhetzen, bei denen die Hasen von Hunden gehetzt werden, versterben. In einem Bericht wird von einer Todesquote von 48% ausgegangen, selbst wenn die Hunde Maulkörbe tragen.18

Die „Irish Hare Initiative“ hat sich mit der sogenannten „Capture Myopathie“ auseinandergesetzt. Eine „Capture Myopathie“ ist ein krankhafter Zustand, der normalerweise tödlich verläuft. Meist geht dieser Zustand mit Herzversagen, gestörter Durchblutung, und Leberversagen einher. Eine „Capture Myopathie“ wird bei Hasen durch den enormen Stress, der durch das Hetzen, Berühren, Einfangen, und Transportieren verursacht wird, ausgelöst. Für einen in der Wildnis lebenden Hasen sind all dies äußerst stressvolle Erfahrungen.19

Die bei einer Hasenhetze ausgesetzten Hasen verharren zunächst, nachdem sie bei einer Hasenhetze ausgesetzt wurden. Der Grund dafür ist nicht – wie von den Jäger*innen angegeben –, dass sie „auf die Hunde warten“ würden, sondern, dass sie nicht damit rechnen, dass sie jetzt gejagt werden. Ab dem Zeitpunkt, an dem sie gefangen wurden, um zur Hetze benutzt zu werden, bis zum Zeitpunkt, an dem die Hasen losgelassen werden, gibt es für die Hasen keinerlei Fluchtmöglichkeit. Da es sich hier um eine für einen Hasen ungewöhnliche Situation handelt,20 ist diese wahrscheinlich besonders stressvoll. So wie Hirsche oder Rehe sind auch Hasen evolutionär darauf ausgelegt, kurze Distanzen zu sprinten, um Prädatoren zu entkommen. Während der Hetzjagd müssen die Hasen längere Distanzen laufen, was ihnen länger andauernden Stress bereitet.21 Selbst wenn eine derartige Situation für Hasen normal wäre, wäre es nicht zu rechtfertigen, sie absichtlich zu kreieren.

 

Wie jene, denen es gelingt, zu entkommen, geschädigt werden

Manchmal brauchen Jäger*innen Stunden, bis sie ihre Opfer auffinden. Dies ist besonders bei der Jagd mit Pfeil und Bogen der Fall. Oft können die Jäger*innen durch sie verletzte nichtmenschliche Tiere auch gar nicht mehr auffinden, was bedeutet, dass diese verletzen Wesen einen langsamen, schmerzhaften Tod sterben. Bei der Jagd mit Pfeil und Bogen wird der Anteil jener verletzten nichtmenschlichen Tiere, die nicht gefunden werden, auf zwischen 28% und 50% eingeschätzt.22

Jene, denen es gelingt zu entkommen, sind keinesfalls von Leid befreit. Die Hormone, die Muskelschäden und psychischen Stress anzeigen, sind bei Hirschen, die entkommen konnten, und bei jenen, die gefangen wurden, gleich hoch.23

Des Weiteren sterben jene, denen es gelungen ist, den Jäger*innen zu entkommen, aus anderen Gründen. Sie verletzen sich z.B. bei der Flucht, indem sie irgendwo beim panischen Versuch, ein Hindernis zu umgehen, hinunterfallen. Die Jagd kann sie auch in Vorstädte oder auf Straßen treiben, wo sie Autounfällen oder Menschen zum Opfer fallen.

Jene, die entkommen konnten, aber Verletzungen davongetragen haben, müssen mit den Folgen dieser Verletzungen leben. Oft haben sie dadurch chronische Schmerzen. Bevor sie versterben, führen sie von da an oft eine von Schmerzen geprägte Existenz.

Es kann Wochen dauern, bis ein schwerverletztes nichtmenschliches Tier schließlich stirbt. Viele sterben nicht direkt an ihren Verletzungen, sondern weil sie durch die Verletzungen gewisse normale Verhaltensweisen nicht mehr ausüben können. Viele verhungern schlicht und einfach, weil sie sich aufgrund ihrer Verletzungen nicht mehr selbst versorgen können.

Jene, die durch die schockierende Begegnung mit jagenden Menschen besonders scheu geworden sind, trauen sich nicht mehr auf exponiertere Futterplätze, und leiden folglich an Mangelernährung. In der Ökologie wird dieses Phänomen als „Ökologie der Angst“ bezeichnet. Es tritt auf, wenn Beutetiere Angst vor Prädatoren haben. Dies können eben auch Menschen sein.24

 

Die Hunde, die zur Jagd benutzt werden

Weitere nichtmenschliche Tiere, die durch die Jagd leiden können, sind die dabei verwendeten Hunde. Es handelt sich dabei normalerweise um speziell gezüchtete Hunde, die ihrer Mutter sehr jung weggenommen und verkauft werden. Wenn sie nicht mehr zu „gebrauchen“ sind, werden sie verkauft, ausgesetzt, oder getötet; letzteres manchmal, in dem sie an einem Baum erhängt werden. Hunde, die bei der Jagd in der Wildnis verloren gehen, werden dort zurückgelassen (und haben dort begrenzte Überlebensmöglichkeiten).

Zusätzlich leiden sie oft unter rauen Wetterbedingungen. Beim Transport zu den Jagden sind sie übermäßiger Kälte oder Hitze ausgesetzt. Die Jagd selbst kann für sie ziemlich gefährlich sein. Gehetzte nichtmenschliche Tiere, die gejagt werden, versuchen verständlicherweise, sich zu verteidigen. Bei der Fuchsjagd können Jagdhunde teils schreckliche Verletzungen davontragen. Manchmal werden sie auch mit einem gejagten nichtmenschlichen Tier verwechselt und erschossen.


Quellen

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Wade, M. (1990) „Animal liberation, ecocentrism and the morality of sport hunting“, Journal of the Philosophy of Sport, 17, pp. 15-27.


Fußnoten

1 U. S. Department of the Interior, Fish and Wildlife Service & U. S. Department of Commerce, U.S. Census Bureau (2002) 2001 National Survey of Fishing, Hunting, and Wildlife-Associated Recreation, [Washington]: U. S. Department of the Interior, Fish and Wildlife Service [aufgerufen am 26. Februar 2013].

2 Schätzungen gehen davon aus, dass in den USA bis zu 200 Millionen nichtmenschliche Tiere pro Jahr gejagt werden. (Wobei diese Anzahl auch höher sein könnte.) Cf. In Defense of Animals (2015) „Hunting – “the murderous business“, idausa.org [aufgerufen am 16. April 2015].

3 Seward, Z. M. (2007) „Internet hunting has got to stop – if it ever starts“, The Wall Street Journal, August 10 [aufgerufen am 12. April 2013].

4 Johnson, E. (1981) „Animal liberation versus the land ethic“, Environmental Ethics, 3, pp. 265-273. Crisp, R. (1998) „Animal liberation is not an environmental ethic: A response to Dale Jamieson“, Environmental Values, 7, pp. 476-478. Shelton, J.-A. (2004) „Killing animals that don’t fit in: Moral dimensions of habitat restoration“, Between the Species, 13 (4) [aufgerufen am 30. Januar 2013].

5 Lotka, A. J. (1920) „Analytical note on certain rhythmic relations in organic systems“, Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America, 6, pp. 410-415. Volterra, V. (1931) „Variations and fluctuations of the number of individuals in animal species living together“, in Chapman, R. N. (ed.) Animal ecology: With special reference to insects, New York: McGraw-Hill. Siehe z.B. dieses Prädatoren-Beutetier-Modell oder dieses Modell von Prädatoren-Beutetier-Gleichungen.

6 Young, S. M. (2006) „On the status of vermin“, Between the Species, 13 (6) [aufgerufen am 14. Januar 2016].

7 Bateson, P. & Bradshaw, E. L. (1997) „Physiological effects of hunting red deer (Cervus elaphus)“, Proceedings of the Royal Society B: Biological Sciences, 264, pp. 1707-1714.

8 Mentaberre, G.; López-Olvera, J. R.; Casas-Díaz, E.; Bach-Raich, E.; Marco, I. & Lavín, S. (2010) „Use of haloperidol and azaperone for stress control in roe deer (Capreolus capreolus) captured by means of drive-nets“, Research in Veterinary Science, 88, pp. 531-535.

9 White, P. J.; Kreeger, T. J.; Seal, U. S. & Tester, J. R. (1991) „Pathological responses of red foxes to capture in box traps“, The Journal of Wildlife Management, 55, pp. 75-80.

10 Rochlitz, I. & Broom, D. M. (2008) An update of ‘The review on the welfare of deer, foxes, mink and hares subjected to hunting by humans’, London: International Fund for Animal Welfare.

11 Bateson, P. & Bradshaw, E. L. (1997) „Physiological effects of hunting red deer (Cervus elaphus)“, op. cit.

12 Veterinary Association for Wildlife Management (2010) „Management of the rural and urban fox“, vet-wildlifemanagement.org.uk [aufgerufen am 30. April 2018].

13 Ibid.

14 Broom, D. M. (1991) „Animal welfare: Concepts and measurement“, Journal of Animal Science, 69, pp. 4167-4175. Rochlitz, I. & Broom, D. M. (2008) An update of ‘The review on the welfare of deer, foxes, mink and hares subjected to hunting by humans’, op. cit.

15 Committee of Inquiry into Hunting with Dogs in England and Wales (2000) The Final Report of the Committee of Inquiry into Hunting with Dogs in England and Wales, Norwich: TSO [aufgerufen am 16. April 2013].

16 Hartup, B. K.; Kolias, G. V.; Jacobsen, M. C.; Valentine, B. A. & Kimber, K. R. (1999) „Exertional myopathy in translocated river otters in New York“, Journal of Wildlife Diseases, 35, pp. 542-547.

17 Committee of Inquiry into Hunting with Dogs in England and Wales (2000) The Final Report of the Committee of Inquiry into Hunting with Dogs in England and Wales, op. cit.

18 Rendle, M. (2006) „The impact of enclosed hare coursing on Irish hares“, BanBloodSports.com [aufgerufen am 18. Juni 2013].

19 Rendle, M. & Irish Hare Initiative (2006) „Stress and capture myopathy in hares“, BanBloodSports.com [aufgerufen am 18. Juni 2013].

20 Rendle, M. (2006) „The impact of enclosed hare coursing on Irish hares“, op. cit.

21 Reid, N.; McDonald, R. A. & Montgomery, W. I (2007) „Factors associated with hare mortality during coursing“, Animal Welfare, 16, pp. 427-434.

22 Ditchkoff, S. S.; Welch, E. R., Jr.; Lochmiller, R. L.; Masters, R. E.; Starry, W. R. & Dinkines, W. C. (1998) „Wounding rates of white-tailed deer with traditional archery equipment“, Proceedings of the Southeastern Association of Fish and Wildlife Agencies, 52, pp. 244-248. Pedersen, M. A., Berry, S. M. & Bossart, J. C. (2008) „Wounding rates of white-tailed deer with modern archery equipment“, Proceedings of the Southeastern Association of Fish and Wildlife Agencies, 62, pp. 31-34.

23 Bradshaw, E. L. & Bateson, P. (2000) „Welfare implications of culling red deer (Cervus elaphus)“, Animal Welfare, 9, pp. 3-24.

24 Horta, O. (2010) „The ethics of the ecology of fear against the nonspeciesist paradigm: A shift in the aims of intervention in nature“, Between the Species, 13 (10), pp. 163-187 [aufgerufen am 5. März 2013].