Ein Überblick über den aktuellen Forschungsstand bzgl. der Empfindungsfähigkeit wirbelloser Tiere

25 Sep 2019

Animal Ethics hat einen Überblick über den aktuellen Stand der Forschung bzgl. des Empfindungsvermögens wirbelloser Tiere verfasst. In diesem Überblicksartikel werden drei Hauptmerkmale von Nervensystemen beleuchtet, die für unser Verständnis der Bewusstseinsfähigkeit Wirbelloser hilfreich sein können: die Anzahl der Neuronen im Gehirn, das Vorhandensein spezifischer Gehirnstrukturen und der Grad der Zentralisierung.

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Literaturüberblick über die Empfindungsfähigkeit von wirbellosen Tieren

Die Empfindungsfähigkeit Wirbelloser ist generell unzureichend erforscht. Es ist von entscheidender Bedeutung, unser Wissen in diesem Bereich auszuweiten, da 99,9998% aller Tiere Wirbellose sind. Wir wissen nur wenig darüber, welche unterschiedlichen Arten neuronaler Strukturen bei Wirbellosen Bewusstsein erzeugen können und welche Arten von Erfahrungen mit unterschiedlichen Typen von Gehirnstrukturen möglich sind. Es wurden bezüglich dieser Fragen zwar schon gewisse Fortschritte erzielt; es ist und bleibt aber ein sehr komplexer Themenbereich, da sich die unterschiedlichen Gehirnstrukturen Wirbelloser teils stark voneinander unterscheiden.

Im Vergleich zu den Nervensystemen Wirbelloser weisen die meisten Nervensysteme von Wirbeltieren eine stärkere Zentralisierung der informationsverarbeitenden Strukturen sowie separate Gehirnstrukturen, die der Integration von Informationen dienen, auf. Viele Forschungsarbeiten gehen von den Kortex- und Mittelhirnstrukturen bei Säugetieren aus und begeben sich auf die Suche nach gleichwertigen Strukturen bei anderen Tierarten. Aktuelle Forschungsbemühungen gehen mittlerweile aber auch immer mehr davon aus, dass Bewusstsein bei Wirbellosen weder unbedingt Strukturen, die äquivalent zu den Strukturen im Nervensystem von Säugetieren sind, noch eine neuronale Organisation, die der im Gehirn von Säugetieren vorhandenen ähnelt, erfordert.

Weiters gibt es keine allgemein akzeptierte Methode zur Messung des Zentralisierungsgrades eines Nervensystems. Einige Überlegungen betreffen die Clusterbildung von Neuronen, die Anzahl der Verbindungen zwischen ihnen und die Geschwindigkeit der Informationsverarbeitung. Es gibt jedoch qualitative Variablen, die genauso berücksichtigt werden können, z.B., welche Art von Informationen verarbeitet werden und wie sie verarbeitet werden. Es ist durchaus möglich, dass auch weniger zentralisierte Nervensysteme Bewusstsein erzeugen können.

Der vorliegende Überblick über den aktuellen Forschungsstand wurde von Jamie Gittins, einem Neurowissenschaftler mit Interesse am Wohlergehen nichtmenschlicher Tiere und deren Empfindungsvermögen, im Rahmen eines freiwilligen Praktikums bei Animal Ethics verfasst.

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