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Sheep shearing

Wolle

Als Wolle bezeichnet man eine spezielle Art von Haaren, die bei Schafen und einigen anderen Tierarten zu finden ist, darunter Lamas, Alpakas, Vikunjas, Ziegen und Kaninchen. Die Wollgewinnung ist für die Tiere mit großem Leid verbunden, beispielsweise durch Verletzungen und teils tödliche Krankheiten.

Wolle ist eines von vielen Produkten, deren Herstellung mit der Ausbeutung von Tieren einhergeht. Oft werden die für die Wollproduktion genutzten Tiere auch zu anderen Zwecken ausgebeutet. In diesem Text soll es um die Probleme gehen, welche für die Tiere mit der Wollproduktion verbunden sind. Wie ihnen auch auf andere Weise geschadet wird, können Sie in dem Text über die Ausbeutung von Schafen und Ziegen lesen.

Seit Tausenden von Jahren werden Schafe zur Förderung bestimmter Merkmale gezüchtet. Eines der auffälligsten angezüchteten Merkmale ist die faltige Haut, an der noch mehr Wolle wachsen kann. Aufgrund großen Hautoberfläche und vielen Wolle kommt es jedoch zu einer erhöhten Schweißbildung, wodurch das Infektions- und Krankheitsrisiko der Tiere steigt.

Sobald sich die Ausbeutung von Schafen nicht länger als profitabel erweist, werden die Tiere üblicherweise in Schlachthäuser geschickt und zu Hunde- oder Katzenfutter verarbeitet.

Kurz nach der Geburt werden die Ohren von Lämmern zum Anbringen von Identifikationsmarken durchstochen und ihre Schwänze werden gestutzt. Männliche Tiere werden oft ohne Betäubung kastriert, wobei Messer oder Schneidringe zum Einsatz kommen.

Einige Lämmer werden direkt ins Schlachthaus gebracht, damit ihr Fleisch als Nahrungsmittel verkauft werden kann. Weibliche Tiere werden wie Geburtsmaschinen behandelt, damit der Kreislauf der Ausbeutung nicht unterbrochen wird. Es gibt eine Vielzahl verschiedener Wollarten, darunter Alpaka-, Mohair-, Angora- und Karakulwolle. Verwendet wird Wolle zum Beispiel für Hosen, Mäntel und Anzüge. Eine Alternative bilden vegane Stoffe wie Baumwolle und synthetische Stoffe (zum Beispiel Baumwollvlies, Cord, Polyester und Gore-Tex).

Many sheep are victViele Schafe fallen Krankheiten, Parasiten und Räubern zum Opfer. Die am häufigsten auftretenden inneren Parasiten sind Würmer, welche über den Verzehr von Gras aufgenommen werden und im Körper des Schafes brüten. Zu den äußeren Parasiten gehören Läuse, Lausfliegen (Hippoboscidae) und Gasterophilus haemorrhoidalis, eine parasitische Fliege, die im Mund des Wirtes ihre Eier legt.

Eine bei den Schafen weit verbreitete Krankheit ist der sogenannte fly-strike (Madenbefall). Er wird durch Maden verursacht, die sich auf der Haut des Schafes ansiedeln. Als Gegenmaßnahme zu dieser Krankheit wurde in vielen Ländern eine spezielle Art der Schur eingeführt, das sogenannte Mulesing. Bei dieser Prozedur werden mithilfe von großen Scheren Fleischstreifen von den Hinterteilen abgetrennt, sodass eine bloße, vernarbte Fläche zurückbleibt, auf der Fliegen keine Eier ablegen können.

In vielen Landwirtschafts- und Tierarztverbänden wird das Mulesing befürwortet, da es angeblich die einzig effektive Lösung des Krankheitsproblems darstellt. Selbst wenn diese Behauptung der Wahrheit entsprechen würde (was sie nicht tut), sollte die Praxis des Mulesing nicht akzeptiert werden. Krankheiten sollte nicht durch Verstümmelung entgegengewirkt werden, sondern vielmehr durch einen Verzicht auf den Gebrauch von Wolle und den Verzehr Fleisch.

Eine weitere Bedrohung für Schafe stellen Räuber oder Fressfeinde dar. Zwar können sich Schafe im Vergleich zu anderen Pflanzenfressern besser verteidigen, doch viele von ihnen sterben nach einer überlebten Attacke in Folge von Verletzungen oder einem Schock. Zu ihren Fressfeinden zählen vor allem Haushunde und andere Hundeartige sowie, wenn auch in geringerem Maße, Katzen, Bären, Raubvögel, Raben und Wildschweine.1

Zum Schutz der Schafe nutzen Landwirte verschiedene Mittel wie Gift, Fallen und Waffen zur Tötung der Räuber. Außerdem setzen sie Tiere wie Hunde oder, in einigen wenigen Fällen, auch Esel und Lamas ein. Somit fallen auch diese Tiere der Wollproduktion zum Opfer.2

 

Die Schur

Üblicherweise werden für die Schur von Schafen elektrische Scheren eingesetzt, auch wenn manchmal noch herkömmliche Scheren genutzt werden. Darüber hinaus wurde eine nicht-mechanische Schurmethode entwickelt, bei der den Schafen ein Protein injiziert wird, das eine natürliche Barriere in den Wollfasern erzeugt. Eine Woche nach der Injektion kann die Wolle per Hand entfernt werden.

In mehreren Ländern, darunter Australien, Irland, Großbritannien, Südafrika und Neuseeland, werden regelrechte Schurwettbewerbe veranstaltet. Der Wettbewerb mit den meisten Teilnehmern findet in der Region Wairarapa in Neuseeland statt3. Durch den Transport zu diesen Veranstaltungen und die hohe Geschwindigkeit der Schur während des Wettbewerbs wird das Leiden der Tiere noch gesteigert.

Sobald es aus ökonomischer Sicht rentabler erscheint, werden die für die Wollproduktion ausgenutzten Tiere schließlich in ein Schlachthaus gebracht und dort getötet.


Literaturhinweise

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1 National Agricultural Statistics Service (2010) „Sheep and goats death loss“, National Agricultural Statistics Service [letzter Zugriff: 3. August 2013].

2 Simmons, P. & Ekarius, C. (2001) Storey’s guide to raising sheep, North Adams: Storey.

3 Ward, P. S. (2000) „Godfrey Bowen: World’s fastest shearer“, NZEDGE.COM [letzter Zugriff: 3. März 2013]. Golden Shears Internation Shearing Society (2013) „Golden shears“, goldenshears.co.nz [letzter Zugriff: 11. März 2013].

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