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Forschungsmethoden, für die keine nichtmenschlichen Tiere genutzt werden

Es gibt eine Reihe von Versuchsmethoden, für die keine Tiere genutzt werden müssen. Solche Methoden werden aktuell in verschiedenen Datenbanken aufgeführt und dienen einer Vielzahl an Zwecken, zum Beispiel in Schul- und Kosmetikindustrieversuchen, aber auch in der wissenschaftlichen Grundlagenforschung und der biomedizinischen Forschung. Bei einigen dieser Methoden kommen mathematische und computerbasierte Modelle zum Einsatz. Mithilfe dieser sogenannten In-silico-Verfahren (computerbasierte Methoden wie Computersimulationen) kann die biologische Aktivität von Substanzen vorhergesagt werden. Sie finden Anwendung in biochemischen, physiologischen, toxikologischen und Verhaltensstudien.

Zu anderen tierfreien Methoden zählen zum Beispiel In-vitro-Verfahren, mit denen Vorgänge auf kleinster Ebene untersucht werden können, zum Beispiel auf subzellulärer Ebene oder bei der Bildung ganzer Organsimen zu Untersuchungszwecken.

Darüber hinaus gibt es Methoden, bei denen statt Versuchen an Primaten Gehirn-Scanning eingesetzt- oder menschliches Gewebe untersucht wird.

Eine Abkehr vom aktuellen Tierforschungsparadigma und die Anwendung der genannten Methoden wären große Fortschritte im Kampf gegen das Leid und Töten von Tieren. Es gibt jedoch eine Reihe von Hindernissen für die Etablierung dieser tierfreien Methoden.

Befürworter von Tierversuchen behaupten immer wieder, dass aufgrund dieser Hindernisse Tierversuche unvermeidbar sind und unbegrenzt fortgeführt werden sollten, sodass jegliche Pläne zur Beendigung dieser Praxis untergraben werden.1 Tatsächlich werden aber nur wenige Anstrengungen unternommen und nur wenige Ressourcen eingesetzt für die Entwicklung tierfreier Methoden. Würde hier mehr Aufwand betrieben, könnten Hindernisse für neue Forschungsmethoden überwunden werden.

Auch die Förderung stellt ein Problem bei der Entwicklung und Durchsetzung tierfreier Methoden dar. Forschung wird in diesen Bereichen oft mit dem Ziel der Entwicklung fortgeschrittener Verfahren betrieben und nicht mit dem Ziel der Beendigung von Tierverbrauch. Es ist nicht unüblich, dass eine Investition in tierfreie Methoden als Zeit- und Ressourcenverschwendung betrachtet wird, da diese Mittel ebenso in die eigentliche Forschung mit Tieren investiert werden und so direkte Resultate erzielt werden könnten. Solange diese speziesistische Einstellung anhält, werden Tierversuche weiterhin durchgeführt, ohne dass es viel Anlass für Änderung gibt. Der Grund für die Bevorzugung dieser Praxis besteht schlichtweg darin, dass nichtmenschliche Tiere im Vergleich zum Menschen als unbedeutend betrachtet werden. Andernfalls würde das so verursachte Leid als gleichbedeutend mit dem Leid gesehen werden, das durch diese Versuche gemildert werden soll, oder mit den Verbesserungen, die durch diese Versuche erreicht werden sollen.

Tatsächlich stammt ein wichtiger Teil der Förderung zur Erforschung tierfreier Methoden von Menschen, die sich um das Wohl der Tiere sorgen und das Ende von Tierversuchen befürworten. Beispiele sind FRAME, der Lord Dowding Fund, der Dr. Hadwen Trust und der Humane Research Trust. Kürzlich haben auch andere Organisationen wie der MRC, der BBSRC und NC3Rs Förderung für die Erforschung tierfreier Methoden angeboten, auch wenn der Löwenanteil dieser Bemühungen traditionellerweise bei den Tierschutzgruppen liegt.

Für die Entwicklung und Anwendung tierfreier Forschungsmethoden gibt es noch weitere Hindernisse. Zum Beispiel können Probleme im Zusammenhang mit der Gesetzgebung und Richtlinien auftreten, in denen sich der Unwille über einen Paradigmenwechsel widerspiegelt. Im Bereich der Kosmetikindustrieversuche ist dies ganz eindeutig der Fall. In der EU und Indien sind Versuche in der Kosmetikindustrie verboten, doch andernorts sind sie nach wie vor vorgeschrieben, obwohl die bereits durchgesetzten Verbote zeigen, dass Tierversuche in der Kosmetikindustrie unnötig sind.2

Ähnlich verhält es sich in der biomedizinischen Forschung. Die zuständigen Aufsichtsbehörden sind in vielen Fällen einfach nicht bereit, etwas zu ändern. Das wird zum Beispiel an den strengen Voraussetzungen für die Einführung neuer Methoden zur Ablösung von Tierversuchen deutlich. Hier sind die Anforderungen viel höher als bei den Verfahren, in denen Tiere genutzt werden. Den Behörden zufolge sind diese zusätzlichen Anforderungen bedingt durch Fragen der Sicherheit und Haftung bei neuen Methoden, doch treten diese Bedenken hauptsächlich bei tierfreien Methoden auf. Außerdem müssen internationale Behörden von der Vertretbarkeit neuer Methoden überzeugt werden. Aus diesen Gründen ist es sehr schwierig, Aufsichtsbehörden zur Implementierung neuer Methoden zu bewegen.3

Nichtsdestotrotz wurde eine Reihe von tierfreien Methoden für die Forschung, Testverfahren und das Bildungswesen entwickelt.4 Es handelt sich dabei um so viele, dass nicht alle hier aufgelistet werden können. Nachfolgend werden einige Datenbanken aufgelistet, die Auskunft über diese Methoden geben.

 

Datenbanken für tierfreie Forschungsmethoden

ALTBIB: Alternatives to Animal Testing

AltTox.org

AltWeb: Alternatives to Animal Testing

EURL ECVAM – DataBase Service on ALternative Methods to Animal Experimentation (DB-ALM)

European Consensus-Platform for Alternatives (ECOPA)

Norecopa

Norwegian Inventory of Alternatives (NORINA)

University of California Davis Center for Animal Alternatives Information

ZEBET database on alternatives to animal experiments on the Internet (AnimAlt-ZEBET)

 

Informationsangebote über tierfreie Methoden im Bildungswesen

HSMVA Alternatives in Education Database

International Network for Humane Education (InterNICHE)


Literaturempfehlungen

Akbarsha, M. A.; Pereira, S. & Gruber, F. P. (2009) „A national center for animal alternatives in India: The Mahatma Gandhi-Doerenkamp Center for Alternatives to the Use of Animals in Life Science Education (MGDC)“, ALTEX: Alternatives to Animal Experiments, 26, sp. iss., p. 20 [letzter Zugriff: 30. März 2014].

Balcombe, J. P. (2001) „Dissection: The scientific case for alternatives“, Journal of Applied Animal Welfare Science, 4, pp. 118-126.

Basketter, D. A.; Clewell, H.; Kimber, I.; Rossi, A.; Blaauboer, B.; Burrier, R.; Daneshian, M.; Eskes, C.; Goldberg, A.; Hasiwa, N.; Hoffmann, S.; Jaworska, J.; Knudsen, T. B.; Landsiedel, R.; Leist, M.; Locke, P.; Maxwell, G.; McKim, J.; McVey, E. A.; Ouédraogo, G.; Patlewicz, G.; Pelkonen, O.; Roggen, E.; Rovida, C.; Ruhdel, I.; Schwarz, M.; Schepky, A.; Schoeters, G.; Skinner, N.; Trentz, K.; Turner, M.; Vanparys, P.; Yager, J.; Zurlo, J. & Hartung T. (2012) „A roadmap for the development of alternative (non-animal) methods for systemic toxicity testing“, ALTEX: Alternatives to Animal Experiments, 29, pp. 3-91 [letzter Zugriff: 18. Oktober 2013].

Balls, M. (1994) „Replacement of animal procedures: Alternatives in research, education and testing“, Laboratory Animals, 28, pp. 193-211

Bauer, M. S. & Seim, H. B., III (1992) „Alternative methods to teach veterinary surgery“, Humane Innovations and Alternatives, 6, pp. 401-404.

Carlson, P. (1995) Alternatives in medical education: Nonanimal methods, Washington, D. C.: Physicians Committee for Responsible Medicine.

Cross, T. R. (2004) „Scalpel or mouse: A statistical comparison of real and virtual frog dissections“, The American Biology Teacher, 66, pp. 408-411.

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Knight, A.; Bailey, J. & Balcombe, J. (2006) „Animal carcinogenicity studies: Alternatives to the bioassay“, ATLA: Alternatives to Laboratory Animals, 34, p. 39.

Knudsen, L. E. (2013) „Animal-free toxicology: The use of human tissue to replace the use of animals-examples from human biomonitoring and human placental transport studies“, ATLA: Alternatives to Laboratory Animals, 41, pp. 443-447.

Langley, G. (ed.) (1990) Animal experimentation: The consensus changes, London: MacMillan.

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de Silva, O.; Basketter, D. A.; Barratt, M. D.; Corsini, E.; Cronin, M. T.; Das, P. K. & Ponec, M. (1996) „Alternative methods for skin sensitization testing“, ATLA: Alternatives to Laboratory Animals, 24, pp. 683-706.

Salem, H. (1995) Animal test alternatives: Refinement, reduction, replacement, New York: M. Dekker.

Zuang, V. & Hartung, T. (2005) „Making validated alternatives available—the strategies and work of the European Centre for the Validation of Alternative Methods (ECVAM)“, AAEX, 11, pp. 15-26.


1 Dieses Argument wurde für eine lange Zeit von Befürwortern des Speziesismus angebracht, um Tierversuche zu rechtfertigen. Siehe zum Beispiel: Paton, W. (1984) Man and mouse, Oxford: Oxford University Press; Cohen, C. (1986) „The case for the use of animals in biomedical research“, New England Journal of Medicine, 315, pp. 865-870. Darüber hinaus wird es oft in solcher Literatur angeführt, die darauf abzielt, die Öffentlichkeit von der Unzulässigkeit tierfreier Methoden zu überzeugen. Siehe zum Beispiel: American Association for Laboratory Animal Science (2003) The use of animals in biomedical research: Improving human and animal health, Memphis: American Association for Laboratory Animal Science [letzter Zugriff: 25. Mai 2014]. See also: Yarri, D. (2005) The ethics of animal experimentation: A critical analysis and constructive christian proposal, Oxford: Oxford University Press; Baird, R. M. & Rosenbaum, S. E. (eds.) (1991) Animal experimentation: The moral issues, New York: Prometheus.

2 European Commission (2011) Questions impact assessment; 2013 Implementation Date Marketing Ban Cosmetics Directive. Annex 2, Brussels: Europan Commision.

3 Lilienblum, W.; Dekant, W.; Foth, H.; Gebel, T.; Hengstler, J. G.; Kahl, R.; Kramer, P. J.; Schweinfurth, H. & Wollin, K. M. (2008) „Alternative methods to safety studies in experimental animals: Role in the risk assessment of chemicals under the new European Chemicals Legislation (REACH)“, Archives of Toxicology, 82, pp. 211-236. Rice, M. J. (2011) „The institutional review board is an impediment to human research: The result is more animal-based research“, Philosophy, Ethics, and Humanities in Medicine, 6, p. 12. Scholz, S.; Sela, E.; Blaha, L.; Braunbeck, T.; Galay-Burgos, M.; García-Franco, M.; Guinea, J.; Klüver, N.; Schirmer, K.; Tanneberger, K.; Tobor-Kaplon, M.; Witters, H.; Belanger, S.; Benfenati, E.; Creton, S.; Cronin, M. T. D.; Eggen, R. I. L.; Embry, M.; Ekman, D.; Gourmelon, A.; Halder, M. & Hardy, B. (2013) „A European perspective on alternatives to animal testing for environmental hazard identification and risk assessment“, Regulatory Toxicology and Pharmacology, 67, pp. 506-530; Judson, R.; Kavlock, R.; Martin, M.; Reif, D.; Houck, K.; Knudsen, T.; Richard, A.; Tice, R. R.; Whelan, M.; Xia, M.; Huang, R.; Austin, C.; Daston, G.; Hartung, T.; Fowle, J. R., III; Wooge, W.; Tong, W. & Dix, D. (2013) „Perspectives on validation of high-throughput assays supporting 21st century toxicity testing“, ALTEX: Alternatives to Animal Experiments, 30, pp. 51-66 [letzter Zugriff: 11. Januar 2014].

4 Es gibt sogar wissenschaftliche Zeitschriften, die sich komplett darauf spezialisieren, wie zum Beispiel ATLA: Alternatives to Laboratory Animals oder ALTEX: Alternatives to Animal Experimentation.

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