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Egalitarismus

Der Egalitarismus ist eine Ethik, die eine Situation dann als ideal bezeichnet, wenn Glück möglichst gleich unter all denjenigen aufgeteilt wird, die sich in dieser Situation befinden. Einige Vertreter des Egalitarismus sind der Ansicht, dass Gleichheit gut sei, da Ungleichheit prinzipiell als schlecht oder ungerecht zu bewerten sei. Andere sind der Meinung, dass Gleichheit gut und Ungleichheit schlecht sei, weil wir den Interessen derjenigen, denen es besonders schlecht geht, Priorität zukommen lassen sollten. Dieser zweite Ansatz wird daher häufig als Prioritarismus bezeichnet.

Verfechter des Egalitarismus gehen davon aus, dass ein zufriedenstellendes Maß an Glück, von dem alle profitieren, besser ist als paradiesische Zustände für einige, während andere sich in einer sehr schlechten Situation befinden. Entscheidend ist im Egalitarismus nicht nur größtmögliches Glück, sondern auch, dass das Glück von einem möglichst großen Teil der Bevölkerung geteilt und Leid für einen möglichst großen Teil der Bevölkerung vermieden wird.

Am Egalitarismus wird jedoch auch Kritik geübt, und die meisten Menschen würden wohl folgender Aussage zustimmen: Wenn ein zunehmendes Maß an Gleichheit Glück (einschließlich des Glücks all derjenigen, denen es besonders schlecht geht) stark verringern würde, dann wäre ein solches Verhalten unethisch. Hieraus ließe sich nun schlussfolgern, dass Gleichheit eher unbedeutend sei und es nur auf das Gesamtglück ankomme. Vertreter des Egalitarismus lehnen eine solche Haltung jedoch ab, da sie nicht nur an Gleichheit, sondern auch an Glück interessiert sind. Sie sind sich daher einig, dass es sich in einer Situation wie der oben beschriebenen nicht lohnt, das Glück aller zu vermindern, um mehr Gleichheit zu schaffen. Im Gegensatz zu Utilitaristen oder Rechtstheoretikern sind Verfechter des Egalitarismus aber durchaus auch um Gleichheit bemüht. Letztere argumentieren im Vergleich zu Utilitaristen, dass sich die Verringerung des Gesamtglücks lohne, wenn dadurch das Glück derjenigen, denen es besonders schlecht geht, deutlich erhöht wird. Im Gegensatz zu Rechtstheoretikern sind Vertreter des Egalitarismus außerdem der Auffassung, dass Rechte nicht gewahrt werden sollten, falls diese verhindern, dass sich das Leben der Schwächsten verbessert.

Da Verfechter des Egalitarismus auf Gleichheit bedacht sind, wenden sich diese gegen jegliche Diskriminierung von Lebewesen, deren Leben gut oder schlecht sein können. Dem Egalitarismus zufolge müssen aus diesem Grund auch die Interessen nichtmenschlicher Tiere berücksichtigt werden. Hierauf haben Autoren wie Ingmar Persson,1 Peter Vallentyne,2 Nils Holtug3 und Lewis Gompertz,4 der sich im 19. Jahrhundert erstmals zu diesem Thema äußerte, hingewiesen. Aus dem Egalitarismus ergeben sich bedeutende Konsequenzen für den Umgang mit nicht menschlichen Tieren, da jedes Jahr viele Milliarden von ihnen Diskriminierung und Vernachlässigung ausgesetzt sind, weswegen es ihnen noch schlechter geht als den meisten Menschen.

Andere Theorien setzen sich ebenfalls dafür ein, Tiere vor Leid zu bewahren, da es nicht es zu rechtfertigen sei, diese zu verletzen oder benötigte Hilfe zu versagen. Der Egalitarismus akzeptiert dies, fordert aber, dass wir uns noch aus anderen Gründen für die Interessen von nicht menschlichen Tieren einsetzen müssen. Dies hängt damit zusammen, dass gegenwärtig die meisten Menschen wesentlich glücklicher sind als Tiere, was natürlich nicht darüber hinwegtäuschen soll, dass einige Menschen schreckliches Leid ertragen müssen. Wenn wir uns aber an Mehrheitsverhältnissen orientieren, dann erkennen wir, dass wesentlich mehr Tiere als Menschen leiden und sich deshalb in einer schlechteren Situation befinden. Tiere, die von Menschen als Ressourcen verwendet werden, müssen ein grausames Schicksal erdulden. Milliarden Tiere werden auf Farmen ausgebeutet und müssen dort ihr ganzes Leben lang schreckliches Leid ertragen. Hinzu kommt, dass ihr Leben dort nur sehr kurz ist. Sie werden bei der frühestmöglichen und profitabelsten Gelegenheit getötet und danach verzehrt oder zu anderen Zwecken verwendet. Auch das Leben von Wildtieren ist alles andere als idyllisch. Diese ertragen in vielerlei Hinsicht großes Leid, und ihr Leben endet in der Regel unvermittelt nach ihrer Geburt.

Die oben angeführten Argumente zur Rechtfertigung des Egalitarismus sprechen nicht nur dafür, Tiere in unsere moralischen Überlegungen einzubeziehen und zu beschützen, sondern auch, deren Schutz zu unserer Hauptaufgabe zu machen. Da es Tieren schlechter ergeht als uns Menschen, lässt sich aus dem Egalitarismus der Schluss ableiten, dass Interessen von nichtmenschlichen Tieren für uns eine Priorität sein sollten.

 

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2 Vallentyne, P. (2005) „Of mice and men: Equality and animals“, Journal of Ethics, 9, pp. 403-433.

3 Holtug, N. (2007) „Equality for animals“, in Ryberg, J.; Petersen, T. S. & Wolf, C. (eds.) New waves in applied ethics, Basingstoke: Palgrave Macmillan, pp. 1-24.

4 Gompertz, L. (1997 [1824]) Moral inquiries on the situation of man and of brutes, London: Open Gate.