Close-up of calf lying down in the grass

Der allgemeine Ansatz von Rechtstheorien

Rechtstheorien zufolge sind bestimmte Handlungen gegenüber Individuen verboten, da diese moralische Rechte besitzen. Ein Recht zu besitzen bedeutet daher einen besonderen Schutz. Wenn ein Interesse durch ein Recht geschützt wird, darf es nicht missachtet werden, selbst dann nicht, wenn die Rechtsverletzung aus anderen Gründen gut sein könnte.

 

Welche unterschiedlichen Arten von Rechten gibt es?

In der Ethik bezieht sich das Wort „Rechte“ auf moralische Rechte; in Gesetzen ist allerdings etwas anderes gemeint. In einem Rechtssystem besitzen Individuen juristische Rechte. Diese schützen zwar ebenfalls die Interessen von Individuen, unterscheiden sich aber von moralischen Rechten. Da es in diesem Artikel um Ethiktheorien geht, bezieht sich das Wort „Recht“ im Folgenden auf moralische und nicht auf juristische Rechte.

 

Welche Arten von Rechtstheorien gibt es?

Rechtstheorien sind entweder realistisch oder konstruktivistisch. Realistischen Theorien zufolge verfügen Rechtsinhaber über Rechte als eine ihrer intrinsischen Eigenschaften. Diese müssen anerkannt und respektiert werden, oder wir müssen dafür kämpfen, dass sie respektiert werden. Konstruktivistischen Ansätzen zufolge zeichnet sich die bestmögliche Theorie im Hinblick auf das Verhalten gegenüber moralisch relevanten Lebewesen dadurch aus, dass diesen Lebewesen Rechte gewährt werden, und dass diese Rechte auch anerkannt und durchgesetzt werden. Vertreter konstruktivistischer Theorien akzeptieren nicht, dass Rechtsinhaber als intrinsische Eigenschaft Rechte besitzen, sondern argumentieren, dass Individuen sich dazu entschließen, anderen Rechte zu verleihen. Dies wird von Vertretern konstruktivistischer Theorien als gute Vorgehensweise verteidigt.

Rechtstheorien sind in der Regel deontologische Theorien. Das bedeutet, dass es Normen gibt, die jederzeit und unabhängig der Umstände eingehalten werden müssen. Dies ist auch dann der Fall, wenn in einer Situation eben diese Norm oder andere Normen von anderen oder von uns selbst in der Zukunft verletzt werden.

Es ist auch möglich, konsequentialistische Rechtstheorien zu verteidigen. Diese Theorien beinhalten, dass wir die Anzahl an anerkannten Rechten maximieren und die Anzahl verletzten Rechte minimieren sollten. Keine Rolle spielt hierbei, ob wir selbst oder andere diese Rechte anerkennen oder verletzen und ob diese Rechte in der Gegenwart oder der Zukunft verletzt werden.

Im Gegensatz dazu fordern Vertreter deontologischer Theorien, dass wir Rechte auch dann in der Gegenwart anerkennen müssen, wenn wir auf diese Weise andere Rechte zu einem späteren Zeitpunkt missachten würden oder wenn Menschen die Rechte anderer Menschen missachten müssten. Es gibt auch anthropozentrische Rechtstheorien, denen zufolge nur Menschen Rechtsinhaber sein können. Vertreter von vielen anderen Theorien argumentieren jedoch dafür, auch nichtmenschliche Tiere als Rechtsinhaber zu betrachten (vgl. hierzu auch unterschiedliche Ethiktheorien, die sich für die Anerkennung von nichtmenschlichen Tieren als Rechtsinhaber einsetzen).

 

Argumente gegen Tiere als Rechtsinhaber

Ein Argument gegen Tiere als Rechtsinhaber basiert auf der Überzeugung, dass nur Lebewesen, die die Rechte anderer Lebewesen respektieren können, selbst Rechte haben dürfen. Zu diesem Ansatz gibt es eine Reihe von allgemeinen Gegenargumenten. Insbesondere muss aber hervorgehoben werden, dass dieses Argument insofern widersprüchlich ist, als es in der Realität nie auf Menschen, sondern ausschließlich auf nichtmenschliche Tiere angewandt wird. Manche Menschen (darunter auch Babys) können zwar die Rechte anderer nicht anerkennen, haben aber dennoch selbst Rechte. Die am weitesten verbreiteten Rechtstheorien der Gegenwart greifen übrigens nicht auf das oben erwähnte Argument zurück, sondern versuchen stattdessen zu rechtfertigen, warum jemand vor dem Hintergrund menschlicher Interessen über Rechte verfügen sollte.

Ein weiteres Argument gegen Rechte für nichtmenschliche Tiere besteht in der Auffassung, dass die Rechte nichtmenschlicher Tiere unmöglich gewahrt werden könnten und dass diese deswegen auch über keine Rechte verfügen sollten. Dies ist eine Reaktion auf ein besonderes Argument für die Rechte nichtmenschlicher Tiere, das besagt, dass die Rechte eines Rechtsinhabers auch von anderen anerkannt werden müssen. Wenn wir also darauf bestehen, dass die Rechte von Rechtsinhabern durchgesetzt werden müssen und dass nichtmenschliche Tiere Rechte haben, dann müssen auch die Rechte nichtmenschlicher Tiere durchgesetzt werden. Das Gegenargument hierzu basiert auf dem Problem, dass nichtmenschliche Tiere in der Natur sich gegenseitig schaden, wodurch die Anerkennung der Rechte eines Tieres gleichzeitig zur Missachtung der Rechte eines anderen Tieres führen würde.

Dies spreche dafür, nichtmenschlichen Tieren keine Rechte zu gewähren, da ihre Rechte ohnehin nicht gewahrt werden könnten. Auf diese Weise wird die Idee, nichtmenschlichen Tieren Rechte zu gewähren, zur Absurdität (diese Problematik wird im Artikel Wie wir Wildtieren helfen können ausführlich thematisiert). Dieses Gegenargument ist jedoch falsch.

 

Der Umgang mit Rechten in der Realität

Zwei oder mehr Individuen haben unter Umständen Rechte, die sich widersprechen und deswegen nicht uneingeschränkt anerkannt werden können. Das bedeutet zwar nicht, dass diese Individuen über keine Rechte verfügen, impliziert aber, dass ein Recht womöglich wichtiger als ein anderes ist oder dass die Anzahl der Rechte, die anerkannt werden können, maximiert werden sollten. Wir sollten also versuchen, die Rechte von Wildtieren durchzusetzen, wenn dadurch keine Rechte von anderen Wildtieren verletzt werden. Wenn dies nicht möglich ist, dann sollten andere Lösungen in Betracht gezogen werden, sodass mehr Rechte und insbesondere die wichtigsten Rechte geschützt werden.

Darüber hinaus ist offensichtlich, dass die Ausbeutung nichtmenschlicher Tiere diesen großen Schaden zufügt, weswegen ein solches Verhalten nicht mit deren Rechten vereinbar ist. Rechte müssen jedoch nicht ausschließlich negative Rechte, also verbotene Handlungen gegenüber Individuen, umfassen. Es können auch positive Rechte sein, die beschreiben, was wir für andere Rechtsinhaber tun sollten.


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